Guerilla Knitting

Wer bisher glaubte, Stricken oder Häkeln sei nur etwas für ältere Damen, der irrt. In vielen deutschen Städten zieren Strickereien öffentliche Gegenstände wie Laternenmasten, Fahrradständer, ja sogar Bäume. Guerilla als auch Urban Knitting genannt ist zweifellos ein neuer Trend, welcher neben der Verschönerung von Stadtmöbeln sowie Bäumen durch gestrickte Accessoires gezielte politische Botschaften zum Ausdruck bringen soll.

Wolle, Nadeln mit viel Kreativität

Dabei verstehen sich die Strickerinnen als kreative Straßenkünstler, die kalt wirkende Orte in Städten durch Stricken zu personalisieren oder verschönern versuchen. Ursprünglich stammt diese Straßenkunst aus den USA. Rasend schnell erreichte dieser Guerilla-Knitting-Trend über das Internet Europa und dabei auch Deutschland. Dort erregten die gestrickten Graffitos in Frankfurt am Main 2010 erstmals öffentliche Aufmerksamkeit. Seitdem erfreuen sich die Guerilla-Strickarbeiten immer größerer Beliebtheit – ein neuer Strick-Trend wurde geboren.

Die Strick-Guerilla sieht dabei in nahezu jedem Gegenstand des öffentlichen Raums, eine Möglichkeit, ihre Strickwerke anzubringen. Besonders beliebte Ziele sind Straßenlaternen, Bäume, alte Fahrräder, Telefonzellen oder Türklinken. Kreative Straßenkünstler nehmen diesen Beitrag für eine schönere Welt sehr persönlich. Ihre Umgebung zu schmücken und die Art, mit der die Menschen ihre Welt sehen, zu verändern, das ist das erklärte Ziel der Strick-Guerilla.

Viele der Strickerinnen sind dabei junge, emanzipierte Frauen, die das Urban Knitting als feminine Form der Straßenkunst sehen. Aber auch einige Männer greifen zu Wolle und Nadeln. Interessierte organisieren sich mittlerweile in Gruppen und treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Stricken. Neben den sozialen Komponenten hat das Stricken und Häkeln auch eine beruhigende Wirkung.

Stricken für den Frieden

Die gestrickten Werke können auch symbolische Bedeutung erlangen, da sie häufig zu politischen Anlässen, Frauentagen oder Demonstrationen an stark frequentierten Orten angebracht werden. Häufig transportieren sie dabei feministische Aussagen oder Botschaften der Friedens- und Umweltbewegung.
Besondere mediale Aufmerksamkeit erlangten zwei junge Frauen, als diese zum Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Februar diesen Jahres, einen Leopard-Panzer des Militärhistorischen Museums einstrickten und für eine Geschichtsdebatte sorgten. Ihre Art, ein Symbol des Friedens zu setzen.

 

 

Foto: grrl+dog

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